Verband der Ingenieure des Lack- und Farbenfaches e.V.
    

VILF Mitglieder

VILF Partner

Suche  

„Lust auf Erfolg – Impulse zur Lack- und Farbenentwicklung“

Grenzübergreifende Zusammenarbeit // in der Farben- und lackbranche Ist der fachliche Austausch seit jeher gelebte Praxis. Auch an der VILF-Jahrestagung nehmen regelmäßig Kollegen aus Österreich Teil, um aktiv Networking zu betreiben und an den technisch geprägten Vorträgen zu partizipieren.

“Versuch macht kluch” – so entstand die Idee, in Österreich ein erstes Zusammentreffen von Farben- und Lackexperten zu planen. Nachdem einige Firmenmitglieder sich schnell bereit erklärt hatten, dieses Projekt zu unterstützen, erstellten die Organisatoren ein grobes Inhaltsraster und suchten einen passenden Veranstaltungsort.
Mit einem persönlichen Brief wurden Mitarbeiter in den Labors und Einkaufsabteilungen aller in Österreich ansässigen Lack-, Farben- und Putzhersteller, zusammen mit deren Inhabern, angesprochen. VILF hat sich als Berufsverband der Beschäftigten in der deutschen Farben- und Lackindustrie vorgestellt und seine Ausrichtung auf Weiterbildung und Networking erklärt.

Erstes „Technikforum Fassade“ auf 250 Höhenmetern
Aus den ersten Ideen resultierte eine ganztägige Veranstaltung im Omya Werk Gummern (Kärnten). Am 14. Mai begrüßte Hausherr Gernot Primosch 43 Teilnehmer auf zirka 250 Höhenmetern über dem Werk in einer vorbereiteten Werkstatthalle im Steinbruch zum ersten Technikforum Fassade. Einführend informierte ein kurzes Video über Geschichte und Anwendung von Calciumcarbonaten und zeigte die wesentlichen Arbeitsprozesse der Nass- und Trockenvermahlung im Werk bis hin zur Logistik der fertigen Produkte.

Glänzend, klebend, wetterfest: Funktionale Zukunft
Um “Inclusion Technologie” drehte sich der Vortrag von Thomas Fichtner von Celanese. Diese neuartige, patentierte Technologie soll die Formulierung von hochwertigen Beschichtungen mit exzellenter Wetterbeständigkeit ermöglichen. Die VAE-Inclusion-Technologie ermöglicht den Einbau von harten Acrylat-Monomeren in eine VAE-Matrix, ohne dass es zu einem Anstieg der Mindestfilmbildetemperatur kommt. Durch die Kombination beider Bindemitteltechnologien können die Vorteile der Systeme in einem Bindemittel vereint werden. Diese neue Generation von Dispersionen auf Basis der VAE-Technologie zeichnet sich insbesondere durch eine ausgezeichnete Farbtonstabilität (auch in Volltonfarben), sehr guten Bewitterungseigenschaften und einer vergleichsweise geringen Anschmutzneigung aus.
Über funktionale Füllstoffe referierte Andreas Römer von Paltentaler Minerals aus Lassing. Dabei beschrieb er neue Wege in der Art des Einsatzes und den Anwendungsmöglichkeiten von Talkum. Durch die Verwendung ausgewählter Rohgesteine entstehen in einem mehrstufigen Herstellungsprozess hoch weiße Produkte mit ausgeprägter Plättchenform und sehr engen Partikelverteilungskurven. Die Ölzahl verringert sich im Vergleich zu herkömmlichen Marktprodukten deutlich durch weniger Feinanteile im engeren Kornband. Die ursprünglichen charakteristischen Talkeigenschaften werden dadurch gezielt verändert. Sie bieten so neue Anwendungsmöglichkeiten und Problemlösungen in Putzen, Fassaden- und Innenfarben, Fugen- und Reparaturspachtelmassen sowie für rissüberbrückende und/oder CO2- dichte Beschichtungssysteme.
Der fachliche Beitrag aus dem Hause Omya befasste sich mit Anwendungen ultrafeiner synthetischer Calciumcarbonate in wässrigen Lacksystemen. Diese Produktgruppe wird in hochwertigen Kleb- und Dichtstoffanwendungen als rheologisches Stellmittel für beispielsweise für Polyurethan-, MS-Polymer- oder Polysulfidmassen eingesetzt. Trotz der durchschnittlichen Teilchengröße von 0,08 μm und ihrer hydrophoben Beschichtung gelingt die Dispergierung in wässrigen Lacksystemen schon per Dissolver.
Norbert Emmerich berichtete über die Glanzhaltung von drei verschiedenen Lacksystemen. Anhand von Exponaten wurde praktisch gezeigt, dass diese funktionellen Füllstoffe den Farbort Cie L*a*b* nicht verschieben, wenn bis zu 10 % ultrafeines Calciumcarbonat gegenüber Nullprobe ohne Füllstoffe eingesetzt worden sind. Für ein wässriges OH-Acrylat / NCO System zeigte eine Berechnung der erhaltenen Festkörper die Chance, mittels dieser Füllstoffe beispielhaft an einem rußschwarzen Hochglanzlack Festkörperverluste auszugleichen, ohne andere Lackeigenschaften zu beeinflussen. Weitere Applikationen eröffnen sich laut Emmerich als farb- und glanzneutrale Verdünnungskomponente für farbintensive Pigmentpräparationen. Fehlerpotenziale bei der Dosierung kleinster Mengen ließen sich dadurch vermindern.

Anwendungen im Holzbereich im Blick
Hartmut Frenzer, AddApt Chemicals, stellte Netz- und Verlaufsmittel für den Holzbereich vor. Diese lösemittelfreien Additive basieren auf nachwachsenden, biologisch abbaubaren Rohstoffen. Sie sind nichtionisch, emulgatoren- und silikonfrei. Am Beispiel einer wässrigen Grundierung wurden die Möglichkeiten zur Optimierung der Untergrundbenetzung und zur Verbesserung der Eindringtiefe in den Holzuntergrund vorgestellt.
Der Beitrag von Dow Coating Materials gab den Teilnehmern einen Überblick über neueste Entwicklungen von einkomponentigen Acrylatdispersionen. Mit Blickrichtung auf industrielle Holzfertigteile- und Möbellackierung sind Wasser-, ausgezeichnete Chemikalienbeständigkeit sowie schnelle Blockfestigkeit von zentraler Bedeutung. In seiner Präsentation ging Thom Hermens gezielt auch auf matte bis seidenglänzende Anwendungsbeispiele ein, bei denen das Wechselspiel zwischen Bindemittel, Filmbildung, Haftung mit Mattierungsmitteln in der Rezeptur eine zusätzliche Hürde stellt. Einen zusätzlichen Schwierigkeitsgrad bildeten zuletzt pigmentierte Holzlacke, weil durch die Zugabe von Pigment erst einmal Dispergieradditive gebraucht werden bzw. diese bei der Verwendung von Pigmentpräparationen schon enthalten sind. Die Wechselwirkungen zwischen allen Additiven und den Stabilisierungssytemen der Bindemittel haben einen signifikanten Einfluss auf die beschriebenen Filmeigenschaften. Basierend auf Neuentwicklungen stellt die von Dow Coating Materials entwickelte Technologie – Bindemittel-Pigment-Wechselwirkung – einen Fortschritt zu engmaschigerer und weniger porenbildender Verfilmung dar.
Am Beispiel einer seidenmatten weißen Möbellackrezeptur wurde eine ausgezeichnete Kaffee-Beständigkeit und gute Alkohol (Ethanol)-Resistenz gezeigt, beides Anforderungen, die etwa IKEA für die eigene R2- Spezifikation fordert.

Regionale Plattform für berufliche Weiterbildung bilden
Peter Katholnig von Imerys Talc, der seit mehr als zehn Jahren VILFMitglied ist, stellte seinen Landsleuten den VILF e.V. als Berufsverband vor, erläuterte Aktivitäten, die zentrale Ausrichtung auf berufliche Weiterbildung, laufende Projekte, Anzahl und Altersstruktur der Mitglieder sowie die Vorteile einer Mitgliedschaft in dem Verband mit 700 Personenmitgliedern und über 80 unterstützenden Firmenmitgliedern.
Die Initiative „VILF – in Österreich für Österreich“ möchte unseren Kollegen in Österreich (Lack- und Farbenherstellern sowie ihren Mitarbeitern) eine regionale Plattform für berufliche Weiterbildung und Erfahrungsaustausch anbieten. Nach dem Vorbild der erfolgreichen Bezirksgruppenveranstaltungen könnten wechselnde Themenkomplexe an verschiedenen Orten angeboten werden. Gerne können interessierte Personen selber ein nationales Netzwerk bilden – das Interesse und die Impulse hierzu müssen von innen kommen! Der VILF e.V. möchte die Entstehung eines solchen Netzwerkes und die Veranstaltungsreihe unterstützen und würde deren Organisation